Auch in unserem Agentur-Allttag arbeiten wir mit oft gemeinnützigen Organisationen zusammen. Erfahren Sie hier mehr über unsere Zusammenarbeit mit Stiftungen & Soziales.

Jedes Jahr engagieren wir uns als Team für den guten Zweck und möchten so unsere Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung wahrnehmen. Unsere Volontärin Giulia schrieb im Rahmen ihres Journalismus-Studiums eine Reportage über den Social Day 2020 bei der Münchner Tafel und die Herausforderungen, denen die Ehrenamtlichen täglich begegnen. 

Münchner Tafel e.V. – Alt und Jung schwitzen für die gute Sache

Rund 650 Ehrenamtliche engagieren sich für den Münchner Tafel e.V. und trotzen jedem Wetter, um wöchentlich an 20.000 Tafelgäste Lebensmittelspenden zu verteilen. Die Mehrheit der Helfer:innen ist über 70 Jahre alt. Welchen Herausforderungen und Schwierigkeiten sie gegenüberstehen, weiß Barbara H., 68, stellvertretende Stationsleiterin der Ausgabestelle in Neuperlach. 
Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und Temperaturen über 25 Grad. Lediglich die bunt gefärbten Blätter der Bäume zeugen davon, dass die kalendarische Sommerzeit bereits überschritten ist. Im Innenhof der Evangelisch-Lutherischen Lätarekirche im Münchner Stadtteil Neuperlach versammeln sich schon am Vormittag einige Ehrenamtliche, die damit beginnen, Lieferwagen mit Lebensmitteln zu entladen sowie Tische und Pavillons zur Ausgabe von Nahrungsmitteln an Tafelgäste aufzubauen. Der Geruch von Obst und Gemüse breitet sich aus. In kurzer Zeit entsteht hier jeden Dienstag ein Art Wochenmarkt, auf dem Bedürftige Lebensmittel erhalten. Die Sonne erhitzt den durch Fassaden abgeschirmten Platz. Die Helfer:innen müssen aufgrund der aktuell geltenden HygieneMaßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie zusätzlich zu den Handschuhen Mundschutz tragen. Den Anwesenden rinnt der Schweiß schon zur Mittagszeit über die Stirn. Der Großteil der festen Ehrenamtlichen ist über 70 Jahre alt. Für sie bedeutet die Hitze zusätzlich zur körperlichen Anstrengung eine weitere Herausforderung an diesem Tag.  
FACTUM für die Münchner Tafel

FACTUM für die Münchner Tafel © FACTUM

Die Münchner Tafel wurde 1994 von sieben Münchner:innen als eingetragener Verein (e.V.) gegründet. Seit fünf Jahren unterstützt Barbara H., 68, als stellvertretende Stationsleiterin die Tafel in Neuperlach – eine von 27 Ausgabestellen in München. Sie koordiniert den Tagesablauf und kümmert sich darüber hinaus um die Betreuung von Helfer:innen, die im Rahmen eines sozialen Tages aushelfen. Die Rentnerin, die 36 Jahre als Leiterin der Leserbriefabteilung eines Familienmagazins gearbeitet hat, entschied sich ganz bewusst dazu, sich sozial zu engagieren. Sie nutzte im Jahr 2015 die ihr genehmigte Altersteilzeit, um sich einer Tätigkeit anzunehmen, mit der sie Sinn stiften kann. Das Konzept der Münchner Tafel überzeugte sie schließlich.  


Wöchentlich werden 20.000 Tafelgäste mit rund 125.000 Kilogramm Lebensmitteln versorgt

Der Münchner Tafel e.V. agiert unabhängig vom Bundesverband und finanziert sich daher komplett eigenständig. Barbaras Augen strahlen als sie durch ihren Mund- und Nasenschutz betont, wie stolz sie sei, Teil eines Vereins zu sein, der münchenweit mit rund 650 Ehrenamtlichen und 18 eigenen Transportern pro Woche 20.000 Tafelgäste mit 125.000 Kilogramm Lebensmitteln versorgt. Darüber hinaus werden rund 100 soziale Einrichtungen wöchentlich mit Nahrungsmitteln beliefert. Die Lebensmittelspenden bezieht die Münchner Tafel vom Großmarkt, von Supermärkten, Metzgereien und Bäckereien. Zusätzlich wird sie regelmäßig von Unternehmen oder treuen Unterstützer:innen mit Geld- oder Sachspenden begünstigt. Dass die Tafel die Lebensmittelversorgung in Zeiten der Pandemie ununterbrochen garantieren kann, liegt vor allem an der strikten Einhaltung strenger Corona-Richtlinien und Hygiene-Maßnahmen. 

Von der Menge an Lebensmitteln, die gespendet wird, hängt schließlich ab, wie voll und vielfältig die Taschen und Trolleys der Tafelgäste befüllt werden können. Der Verein entscheidet anhand finanzieller Bedürftigkeit, wer sich zur Lebensmittelausgabe der Münchner Tafel anstellen darf und hierfür einen Schein ausgestellt bekommt. Auf Grundlage von Einkommens-, Renten- oder Arbeitslosenbescheinigungen wird ermittelt, wer ein Anrecht auf die kostenlose Vergabe der Nahrungsmittel hat. Barbaras Stirn runzelt sich, während ihre Augen groß werden, um ihre Worte zu unterstreichen, und sie betont: „Uns ist es wichtig, dass wir die Menschen fair behandeln. Das ist aber kein leichtes Unterfangen, da unsere Ressourcen begrenzt sind. Daher müssen wir gut abwägen und gegebenenfalls auch mal Menschen ausschließen, die wiederholt nicht wie vereinbart zur Ausgabe erscheinen.“ Angemessene Strenge, ergänzt sie, sei ohnehin eine unverzichtbare Basis für die Arbeit an der Ausgabestelle. Denn nicht immer stoße man auf Dankbarkeit und Freundlichkeit der Tafelgäste.  

Insgesamt verläuft die Ausgabe an diesem Tag reibungslos. Nur wenige Ausnahmen zeugen davon, dass die Kommunikation vereinzelt auch rauer sein kann. „Vor allem Bananen liefern oft großes Konfliktpotenzial und Anlass zur Diskussion,“ betont die 83-jährige Rentnerin Anne, feste ehrenamtliche Mitarbeiterin des Vereins. Situationen, in denen nach grünen Bananen verlangt wird und jene verweigert werden, die schon reif sind, gibt es auch an diesem Tag öfter. „Wir müssen immer wieder erklären, dass wir ausschließlich genießbare Lebensmittel austeilen und die Nahrung fair aufteilen möchten,“ ergänzt sie. Doch die große Mehrheit der Menschen wüsste die freiwillige Arbeit der Helfer:innen zu schätzen und reagiere sehr dankbar auf die Zuwendungen. Dafür warten die Tafelgäste teilweise ein bis zwei Stunden in der Schlange, bis sie ihren Schein vorzeigen dürfen und kostenlose Nahrungsmittel bekommen.  

Barbara überprüft immer wieder, ob alle Helfer:innen genügend zu trinken haben. Die tatkräftige Unterstützung der älteren Ehrenamtlichen beeindruckt sie sehr: „Von Menschen wie Anne, die bei minus 15 Grad im Winter und wie heute bei fast 30 Grad plus im Einsatz für eine gute Sache sind, profitiert unser Verein maßgeblich.“ Zugleich ergänzt sie mit ernstem Blick und überzeugendem Ton, dass sie ihre persönliche Motivation auch aus der Mithilfe junger Menschen ziehe. Von Leuten, die beruflich stark eingespannt sind und sich dennoch die Zeit nehmen, um einen Tag lang mit anzupacken sei sie mindestens genauso begeistert. Denn ohne die Hilfe der Ehrenamtlichen könne der Verein nicht existieren.  
FACTUM für die Münchner Tafel

FACTUM für die Münchner Tafel © FACTUM

Münchner Agentur nimmt ihre Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung wahr und unterstützt die Münchner Tafel tatkräftig 

Auch an diesem Tag sind freiwillige Mitarbeiter:innen eines Münchner Unternehmens vor Ort, die Barbara geduldig in ihre Zuständigkeitsbereiche einweist und denen sie stolz von ihrem Verein erzählt. Paloma López, 27, PR-Beraterin in der Münchner Kommunikations-Agentur FACTUM, ist eine von ihnen und heute das erste Mal als freiwillige Helferin im Einsatz. Zuständig für die Ausgabe von Gebäck und Brot, steht sie von Wespen umringt hinter dem Tresen in der prallen Sonne und sortiert Tüten für die Tafelgäste. Für Paloma geht mit der Unterstützung der Münchner Tafel ein Wunsch in Erfüllung, sagt sie: „Eigentlich wollte ich mich schon lange als ehrenamtliche Helferin bei der Tafel melden. Umso schöner ist, dass sich unser Chef dazu entschied, unseren diesjährigen Social Day zur Unterstützung der Münchner Tafel zu nutzen. Denn ich finde sehr wichtig, dass Unternehmen sich auch ihrer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind.“

Mit Unternehmerischer Gesellschaftsverantwortung beschäftigt sie sich von Berufs wegen. Nicht nur weil die PR-Agentur einige Stiftungen und gemeinnützige Organisationen hinsichtlich ihrer Unternehmenskommunikation betreut, sondern auch weil das Thema für ihren Arbeitgeber, selbst Gründer eines sozialen Startups, schon immer einen hohen Stellenwert hat. Paloma ist daher auch von der Gastgeber-Kampagne der Münchner Tafel überzeugt, bei der Privatpersonen genauso wie Unternehmen mit einer Spende von 78 Euro einen Tafelgast ein Jahr lang mit Lebensmitteln unterstützen können. Zusätzlich zur Arbeitskraft seiner Mitarbeiter:innen, stiftete ihr Arbeitgeber mit Gastgeber-Spenden zusätzlich zum Social Day also doppelt Sinn. 

Der Tag endet für alle Helfenden nach rund acht Stunden Aufbauen, Verteilen, Abbauen und Sortieren in der Hitze. Für Barbara und ihren Mann, der ihr regelmäßig zur Hand geht und am Abend oft noch übrig gebliebenen Lebensmittel an Gemeinschaftsunterkünfte liefert, geht ein weiterer Dienstag im Zeichen des guten Zwecks zu Ende. Die Rentnerin ist offensichtlich erschöpft und zufrieden zugleich. Sie holt tief Luft und betont, dass sie die Zusammenarbeit mit so vielen Menschen, die sich für die gute Sache engagieren, glücklich mache. Nur die Realisierung eines Wunsches würde sie gerne noch erleben, sagt sie abschließend: „Bei all unserer Dankbarkeit für die Lätarekirche, die uns diesen Platz hier und den Zugang zu Strom und Toiletten kostenlos ermöglicht, wäre es schön, wenn wir irgendwann die Möglichkeit bekämen, für unsere wöchentliche Ausgabe einen überdachten Platz zu beziehen. Dann müssten die Helfer:innen und Tafelgäste nicht mehr bei Wind und Wetter bibbern und schwitzen.“  

Barbara gehört zu den Letzten, die den inzwischen leer gefegten Platz vor der Kirche an dem Tag verlassen. Und sie wird in der nächsten Woche wieder eine der Ersten sein, die ihren ehrenamtlichen Dienst zum Wohle der Bedürftigen antreten. 

 

Redaktionelle Anmerkung: Name von Anne geändert zur Anonymisierung. 

ehemalige und aktuelle Mitarbeiter:innen und Praktikant:innen schreiben hier über Kommunikationsthemen, Branchenrelevantes, Büroalltag oder einfach Themen, die sie interessieren.

+49 89 8091317-0
redaktion@factum-pr.com